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Das Mautwesen der Eisenwurzen bis zum Road Pricing

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Im Rahmen der Dissertation fand am 24.10.2003 in Kooperation mit der Gemeinde Hollenstein/Ybbs und der Pächterin vom Haus Haberfeld, Prof. Winkelmayr eine Themenwanderung statt. Information über das Thema Säumer und Fuhrleute finden Sie hier. Schauen Sie sich die Fotos unter den "Seitenblicken" an. Säumer transportierten mit Hilfe von Tragtieren verschiedene Waren, meist Getreide, Schmalz oder Wein über die so genannten Saumwege. Sie waren meist hauptberuflich tätig. Der Name Säumer stammt vom Begriff „Saum“ und das war die Last, die ein Pferd auf einem Tragsattel befördern konnte. Die Waren wurden entweder in kleinen flachen Fässchen, den so genannten „Lageln“ oder in Säcken die beiderseits vom Sattel hingen transportiert. Säumer führten Säume im Ausmaß zwischen 2 und 18 Pferden, dabei standen ihnen Knechte für die Betreuung der Pferde zur Verfügung. Ein bedeutender Saumpfad für die Versorgung des Erzgebiets führte von Eisenerz über die so genannte Eisenerzer Höhe nach Wildalpen im Salztal. Aus den niederösterreichischen Provi-antorten führte man über diesen Pfad Speck, Getreide, niederösterreichische Weine, Öl, Schmalz und vor allem Hafer, der als Pferdefutter verwendet wurde, ins Erzgebiet nach Innerberg. Holzkohle wurde aus den Wildalpen über diesen Pfad zu den Innerberger Radwerken gebracht. Die schwerste Fracht, die über diesen Saumpfad transportiert wurde, war Eisenerz, das um 1650 im Tullecker Bergbau, der von der Innerberger Hauptgesellschaft betrieben wurde, gefördert wurde. Innerberger „Provianteisen“ und dessen Gegenfracht Lebensmittel wurde aber auch über einen anderen Pfad gesäumt, der Innerberg mit Kalwang durch die so genannte Teichen verband. Die konstante Zufuhr von Erz war wichtig, da ein kontinuierlicher Schmelzprozess in den Blähhäusern für die Güte des Rauheisens entscheidend war, weshalb schon seit Beginn des 16. Jahrhunderts auch der geregelte Transport des Erzes zu den Schmelzhütten in Innerberg und Vordernberg für die Radmeister von großer Bedeutung war. Die Radmeister mussten für die Erzbringung selbst sorgen und betrauten Knechte aus dem eigenen Gesinde mit dieser Aufgabe. Zusätzlich nahm man aber auch noch oft die Dienste so genannter Lohnführer für den Erztransport in Anspruch. Sie stellten meist eigene Wagen und Gespanne zur Verfügung. Die Erzführer mussten bei jeder Witterung ihre Transporte durchführen (auch im Winter) und durften keine Gegenfuhren auf der Fahrt zu den Gruben annehmen, da das ihre Fahrt verzö-gert hätte. Sie mussten im Sommer an 4 Wochentagen einmal täglich und an 2 Wochentagen zweimal täglich die Radwerke mit Erz beliefern, was unter strenger Regelung stand. Ein Erzführer war meist mit einem einspännigen Wagen, der zirka 400 Kilo fasste, und einem zweispännigen Wagen, der zirka 700 Kilo Erz fasste, unterwegs. Im Winter hat man einspännige Schlitten benutzt, mit denen 350 bis 400 Kilo Erz transportiert werden konnten, eine Arbeitserschwerung trat aber erst im Frühjahr auf, wo zur Zeit der Schneeschmelze von den Schlitten auf Fuhrwagen umgeladen werden musste. Die Arbeit der Erzführer änderte sich bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts nur wenig, erst dann wurde am Steirischen Erzberg eine Förderanlage gebaut, die das Erz zu einer Haupt-sammelstelle am Präbichl transportierte. Für die Schmelzhütten in Vordernberg und Innerberg wurde auch eine große Menge an Kohle gebraucht. Den einzelnen Radwerken wurden vom Landesfürsten Waldbezirke gewidmet, wo die Holzkohle erzeugt und von den Radgewerken eigens angestellten Kohleführern zu den Schmelzöfen geliefert wurden. Es wurden spezielle einspännige Leiterwägen mit geflochtenen Korbeinsätzen den so genann-ten Kohlkrippen, die zirka 5 Kubikmeter Holzkohle fassten, für den Transport verwendet. Als Schutz vor Regen und Schnee wurde die Kohle mit „Plahen“ (einem Stück großer Leinwand) bedeckt. Wie alle Lohnführer wurde die Kohlenführer nach der gelieferten Menge bezahlt. Das Volumen der Fracht wurde vom Kohlenfrächter oder Kohlenschreiber mittels genormter Hohlmaße gemessen und dem Kohlenführer die geleistete Fracht bestätigt. Wie den Erzführern war es den Kohlenführern verboten Gegenfrachten anzunehmen und die Lieferungen keinesfalls zu verzögern. Ebenso galt für alle Fuhrleute während der Woche strenges Alkoholverbot, damit sie weder Arbeit noch Tiere vernachlässigten. Die Kohlenführer hatten große Strecken zurückzulegen, da sich die gewidmeten Waldgebiete bis ins 18. Jahrhundert auf gro-ße Teile des Landes erstreckten. 1783 wurde die Kohlwidmung aufgehoben, was einen Energieengpass für die Radgewerke bedeutete, woraufhin man auf die Religionsfondsherrschaften Seckau und Göß zur Kohlenbeschaffung auswich. Der Beruf der Kohlenführer existierte bis Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Einführung des Koksroheisens. Eisen- und Proviantfuhrleute waren die dritte Gruppe an Fuhrleuten, die für die Inner- und Vordernberger Radmeister als Lohnarbeiter tätig waren. Sie mussten das in den Blähhäusern erschmolzene Rauheisen zur Weiterverarbeitung in die zahlreichen Hammerwerke der Umgebung oder zum Weiterverkauf in die Verlagsstädte bringen. Die Eisenfuhrleute wurden nach Stückzahl der transportierten Lupen (Produkt nach dem Schmelzprozess) bezahlt. Da diese Lupen immer größer wurden (neue Normungen), die Fuhrleute das zusätzliche Gewicht aber nicht abgegolten bekamen, überluden die ihre Wagen am Blähhaus und warfen das Übergewicht an Steigungen ab und ließen es liegen, diese fanden aber immer bald interessierte Abnehmer, sie wurden „abgezöscht“. Den Schaden hatten aber die Hammermeister, die die volle Ladung bezahlen mussten, aber nur einen Teil davon geliefert bekamen. Beim Schmelzprozess entstanden aber auch Abfallprodukte wie Graglach (Gusseisen), Hert und Wascheisen, mit dem die Proviantwidmungsbezirke beliefert wurden, aus denen die Fuhrleute Proviant als Gegenfuhr mitbrachten. Seit Ende des 15. Jahrhunderts wurde es ein zunehmendes Problem die ständig wachsende Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. In Niederösterreich entstanden deshalb bedeutende Proviantmärkte, Scheibbs, Gresten und Purgstall waren die Bedeutendsten, welche aber bis 1660/ 70 nur über einen schmalen Saumpfad über den Mädlingpass mit dem Erzgebiet verbunden waren. Die Straße beginnt beim Erzberg und führt über Lainbach – Mendling – Gösting – Lunz am See – Gaming – Scheibbs – Purgstall und endet in Pöchlarn, eine Abzweigung in Wieselburg führt zum dritten Markt Gresten. Die Dreimärktestraße war bis ins 15. Jahrhundert nicht befestigt und war nur ein Saumpfad. Erst Ende des 15. Jahrhunderts entschlossen sich die drei Märkte Scheibbs, Purgstall und Gesten zur Sicherung der gemeinsamen Handelsinteressen eine fahrbare Straße über Grubber bis Lunz am See anzulegen. Dieser Straße schloss sich 1561 die neue Straße an, die über Mendling bis Lainbach führte. Die Erhaltungskosten wurde auf die Grundherrn übertragen, da sie auch Mauten und Aufschläge auf das Eisen erhielten. Ab 1625 waren die Provianthändler von Scheibbs, Gresten und Purgstall für die Erhaltung der Straße von Gaming bis Lainbach verantwortlich. 1448 wurden in Innerberg und Vordernberg Mautämter eingerichtet. Am Beginn war die Maut ein Teil der erzeugten Produkte, die an den Radmeister abgegeben werden musste. Seit dem 15. Jahrhundert wurde Geld kassiert. Als Überprüfungsstelle diente an der Dreimärktest-raße seit 1583 die „Schnallensperre zu Lunz am See“ und ein Straßenzwang wurde eingeführt, sodass die Mauten nicht umgangen wurden. 1678 wurde in Pöchlarn eine Filiale der Ybbser Maut errichtet. Da ein Weggroschen für die Erhaltung der Straßen nicht ausreichte, wurde von Maria Theresia eine Mauterhöhung auf 2 Kreuzer beschlossen. Außerdem wurden Wegschranken in Wang, Wieselburg, Gresten und Scheibbs errichtet, um keinen Mautentgang zu haben. Die Grundlage für die Dreimärktestraße war der rege Tauschhandel zwischen Proviant- und Eisenhändlern, Innerberg wurde mit Lebensmitteln im Tauch mit billigem Eisen versorgt. Die Haupthandelsgüter dieser Gemeinschaft waren Getreide, Schmalz, Flachs, Leinwand, Unschlitt und Vieh.

Verantwortlicher
Mag. Helga Kienzl

 


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