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Die Tracht der Eisenwurzen

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Das Wort Tracht kommt von tragen. Wir bezeichnen damit überlieferte Kleidungsformen, im Gegensatz zur modischen Kleidung. Von Tracht spricht man überhaupt erst seit dem Ende des 18. Jh. Bis dahin machte die ursprünglich gleiche Kleidung für Mann und Frau nicht nur eine geschlechtsspezifische Differenzierung durch, sondern sie entwickelte sich zur äußeren Kennzeichnung der Stände bzw. Berufsgruppen, sprich Gesellschaftsschichten. Selbstverständlich war sie immer modischen Einflüssen ausgesetzt, die sogar mit Hilfe von Gesetzen und Verordnungen gesteuert bzw. unterbunden werden sollten. Z, B. wurden Farben erlaubt oder verboten. Der Preis des Tuches vorgeschrieben, das für die Kleidung des Bauern verwendet werden durfte. Steuern für Perücken und Hauben wurden erhoben usw. Die ständische Kleidung als Einschränkung gemeint und empfunden, wurde zur betont getragenen Tracht. Sie drückte Standesbewusstsein aus und prägte das Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Auseinanderentwicklung von Stadt und Land – durch den Einzug der Industrialisierung – führt zum Verlust von Bräuchen und Tradition, es verschwinden auch die farbenfrohen, vielförmigen Trachten. Sie weichen bis zum Ende des 19. Jh. dem einförmigen Schwarz. (Sie erinnern an Kleidungsstücke, die unsere Urgroßmütter und Großmütter noch getragen haben.) Trachtenforscher, Trachtenmaler und Herausgeber von gedruckten Trachtensammlungen und Sammler von originalen Volkstrachten, waren die Vorläufer der ersten Trachtenvereine, die selbst eben diese alten Trachten trugen. Freude an der Tracht und Verbundenheit mit der Heimat war ihre idealistische Einstellung. Die Trachtenfreudigkeit war so lange echt, als die jeweilige Tracht noch annähernd im Bewusstsein der Umwelt lebendig oder bekannt war. Der Abstand zwischen Trachtenträger und der Wirklichkeit aber wurde immer größer, bis es schließlich nur mehr Vorführer und Zuschauer gab. Trachtenpflege und –erhaltung, anfangs gut gemeint, führten zu einem großen Missverständnis. Das Vorführen und Vorzeigen „der echten alten Trachten aus Großmutters Truhe“, führte zur Meinung, Tracht sei etwas Feststehendes, etwas zur unverrückbaren Form Erstarrtes (z. B. Rocklänge, Kittelmuster, Anzahl der Leiblknöpfe usw.). Man glaubte das ältere sei immer das echtere. Alt und echt wurden gleichgesetzt. Ein Irrtum der heute noch verbreitet ist. Tracht war und ist ständiger Wandel. Heute ist „Tracht“ Allgemeingut geworden und kann von jedermann zur eigenen Freude getragen werden.

Verantwortlicher
Dir. Gerlinde Lauboeck

 


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