Logo
  Eisenstraße
Niederösterreich

Neubruck 2/1
A-3283 Scheibbs
T +43 (0) 74 82 / 204 40
F +43 (0) 74 82 / 204 40-22
service@eisenstrasse.info
Eisenstraße Niederösterreich Schatzsuche & regionales Wissen Genuss & regionale Erlebnisse LEADER, regionale Produkte & Projekte
Suche

Advent- und Weihnachtsbräuche

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Der Adventkranz wurde Anfang 1930, zur Zeit der großen Wirtschaftskrise überall bekannt. Man hat ihn selbst aus grünen Zweigen geflochten und an violetten Bändern aufgehängt. Drei violette Kerzen schmückten ihn, die vierte Kerze musste rosa sein, sie war ein Sinnbild für Christus, die anderen drückten die bußfertige Erwartung aus. 4. Dezember, St. Barbara: Sie ist die Patronin der Bergknappen, Feuerwehr und Kanoniere, wurde als christliche Märtyrerin 306 in Nikodemien enthauptet. Der Barbarazweig wird an diesem Tag in ein Gefäß mit Wasser gestellt. Der blühende Zweig ist Sinnbild für das sich erneuernde Leben. 6. Dezember, St. Nikolaus: Im 4. Jahrhundert Bischof von Myra. Hat durch eine reiche Gabe drei Mädchen vor Sünde bewahrt. Seither haben Christen in seinem Namen Gaben an Kinder ausgeteilt. Im Brauch erscheint er am Abend des 5. Dezember bei den Familien. Ein Mann im Bischofhabit, der die Kinder nach ihren Unarten fragt, sie ermahnt. Sein Begleiter, der zottige Krampus, Droht den schlimmen Kindern.Nüsse, Äpfel und Süßigkeiten werden ausgeteilt. Im Ybbstal wurde das „Nokolohaus“ aus Stäben und roten Äpfeln errichtet, darinnen ein kleiner Nikolo und ein Zwetschgenkrampus zu sehen sind. Hat man in den Fenstern aufgestellt.

Habergoas: Ein gespenstartiges Wesen von einem Mann in grobe Kotzen gehüllt, dargestellt eine Figur aus vorchristlicher Zeit, erschien oft mit St. Nikolaus, hopste in der Stube herum und verschwand wieder. 13. Dezember, St. Luzia: Starb als Märtyrerin 304 in Syracus, ist Patronin bei Feuersgefahr. Noch vor hundert Jahren ging an diesem Tag ein weißgekleidetes Mädchen am frühen Morgen durch das ganze Haus. Es hatte einen grünen Kranz im Haar und eine brennende Kerze in der Hand und jeder suchte ihm zu begegnen. 15. Dezember, Wintersaat: In eine weite, niedere Schüssel gab die Hausmutter feuchte Erde und säte dicht Weizenkörner hinein. Die Erde hat man gleichmäßig feucht und warm gehalten. In der Mitte war Platz für ein Öllicht. In 9 Tagen soll die Saat fingerhoch sein, galt als Bitte um neuen Erntesegen. Am Hl. Abend auf den Festtisch gestellt. Nach den Feiertagen ein willkommenes Grünfutter für die Hühner. 15. Dezember, Herbergssuchen: Erinnerung an die vergebliche Herbergssuche von Josef und Maria in Bethlehem. Am Abend des 15. Dezember wird die dafür bestimmte Marienstatue hervorgeholt, in ein weißes Tuch gehüllt und von der Hausmutter im Licht einer Laterne in das nächste dafür bestimmte Haus getragen. Hier wird sie beim Eingang von der ganzen Familie begrüßt, in das Wohnzimmer begleitet, wo ein kleiner Altar mit brennenden Kerzen und Blumen vorbereitet ist, auf den die Statue gestellt wird. Ein Absatz des Rosenkranzes wird gebetet, dann werden einige Adventslieder gesungen. Maria wird von den Hausinsassen am nächsten Tag besonders verehrt, bis am Abend die Hausmutter die Statue in das nächste, oft durch Jahrzehnte vorbestimmte Haus weiterträgt. Dieser Vorgang wiederholt sich bis zum 24. Dezember. In diesem Haus bleibt die Statue bis zum nächsten Advent aufbewahrt.

21. Dezember, St. Thomas: Beginn der „Rauhnächte“, die rauen, kalten Nächte der Wintersonnenwende. Es wurde zum ersten Mal das Haus ausgeräuchert. St. Thomas galt als Ehevermittler. Er wurde durch den Orakelspruch befragt: „Bettstaffl. I Tritt di, laß mir erschein den Liebsten mein“. So spricht das Mädchen, allein in ihrer Stube. Dieser Tag und Abend hatte viele Bräuche, die erloschen sind. 24. Dezember, Hl. Abend: Am Vormittag holte der Hausvater das „Wintergrean“, Tannenreisig, Wacholderzweige und Efeu und schmückte damit am Nachmittag den Hergottswinkel aus. Vor dem Kreuz wurde die Papierkrippe aufgestellt, dazwischen Kerzen. Nach dem Räuchergang durch Haus und Stall versammelte sich die Familie in der Stube und kniend wurde der freudenreiche Rosenkranz gebetet. Dann setzte man sich zum Mettenmahl, zu dem es Kaffee, Tee, Kletzenbrot, Nüsse, Äpfel und Dörrzwetschgen, für die Kinder Honig gab. Aber kein Fleisch, es war bis Mitternacht Fasttag. Für die Kinder wurde ein Christbaum geschmückt. Die Geschenke waren sehr bescheiden und wurden doch mit großer Freude empfangen. Um Mitternacht ging man mit brennender Laterne oft stundenweit und durch schlechtes Wetter zur Mette in die ferne Kirche. In keinem Haus fehlte die „Heilignachtkerze“, die vor dem Räuchergang angezündet wurde und die in der Stube die ganze Nacht brannte. 28. Dezember, Unschuldige Kindleintag: Erinnerung an den Kindermord von Herodes. Am Morgen dieses Tages strichen Kinder ihre Eltern mit langen Ruten. Die Mädchen wurden von den Burschen mit langen Ruten geschlagen, aber auch jene, die in der Nähe waren. Dabei wurde der Spruch gesagt, „Frisch und gsund, frisch und gsund, lang leben, gern geben, heut und immer.“

31. Dezember, Silvester: An diesem oder den nächsten Tagen vergaß man nicht auf das „Windfüttern“. Ein Schüsselchen Mehl wurde auf den Zaunpflock oder die Bodenlucke gestellt, damit der Wind das ganze Jahr keinen schaden verursache. Der Räuchergang und das nachfolgende Gebet durften nicht ausbleiben. Nach der Mahlzeit vergnügte man sich mit Bleigießen, Nussschalenwimmen, Schuhwerfen, usw. Vor dem Haus wurde das alte Jahr ausgeschossen. Beim Räuchern wurde an den Türen die Jahreszahl angeschrieben. 1.Jänner, Neujahr: Das Jahr wurde am Morgen und am Vormittag mit vielen Schüssen „eingeschossen“. Nach dem feierlichen Kirchgang gab es eine besonders gute Mahlzeit. Kinder und allerhand Leute kamen Glück wünschen und bekamen eine Gabe.

6. Jänner, Dreikönig: Am Vorabend wurde wieder geräuchert, die Anfangsbuchstaben der Hl. Dreikönige- Kaspar, Melchior und Balthasar, an die Türen geschrieben, in der Kirche geweihtes Dreikönigwasser wurde reichlich überall ausgesprengt, als Schutz gegen böse Mächte. Das Vieh bekam besseres Futter, Salz und Brot und eine Maulgab, das ist ein Kleieknödel, in den geweihte Kräuter eingeknetet sind. Nach dem Räuchergang wurde der Rosenkranz gebetet. Darauf folgt eine besonders reiche Mahlzeit, es ist ja die „foaste“ Rauhnacht. Bevor man zu Bett geht bereitet die Hausfrau die „Sampermilch“. In eine große Schüssel mit Milch werden Semmeln eingeschnitten. Alle essen davon. Ein Rest muss zurückbleiben, denn in der Nacht kommt die „Berscht“ – Berchta und soll hier eine Mahlzeit vorfinden. Alles in der Stube musste in Ordnung sein, besonders die Spinnräder, damit ihr spähendes Auge nichts Ungehöriges erblickte. Am Morgen zogen die verkleideten Sternsinger von Haus zu Haus und sangen fromme Lieder. Damit war der Festkreis geschlossen. Sein schöner Abschluss war der „Dreikönigsritt“, der an manchen Orten begangen wurde. Drei Burschen ritten als verkleidete Drei Könige auf stattlichen Pferden und mit mancherlei Gefolge durch die Ortschaften, sangen Lieder und Segenssprüche. Dieser Brauch ist heute noch erhalten im Scheibbser Dreikönigsritt, der viele Menschen anlockt. Die allermeisten dieser Bräuche sind heute kaum noch dem Namen nach bekannt. Nur wenige werden noch geübt, aber kaum noch mit Sinn erfüllt.

Laden Sie sich hier den vollständigen Text herunter!

 


 Seite weiterempfehlen
 Seite drucken