Logo
  Eisenstraße
Niederösterreich

Neubruck 2/1
A-3283 Scheibbs
T +43 (0) 74 82 / 204 40
F +43 (0) 74 82 / 204 40-22
service@eisenstrasse.info
Eisenstraße Niederösterreich Schatzsuche & regionales Wissen Genuss & regionale Erlebnisse LEADER, regionale Produkte & Projekte
Suche

Geschichte der Region

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Schmied in Ybbsitz (Foto: Gabriel)

In der gesamten Eisenwurzen (Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark) waren die Eisenverarbeitung, aber auch die Proviantversorgung in ein staatliches Widmungssystem einbezogen und in sogenannten Widmungsbezirken normiert. Genau abgegrenzte Gebiete waren zur Versorgung der Bergbaugegend um den Erzberg verpflichtet (sprich gewidmet), die verarbeitbares Eisen gegen Verpflegung (Fleisch, Getreide, Schmalz, Most, Schnaps, Bier) und Dinge des täglichen Bedarfs (Wolle, Leinen, Tabak) tauschten. In der heutigen Region Eisenstraße Niederösterreich waren die Flusstäler von Ybbs und Erlauf hauptsächlich betroffen. Der Tätigkeitsschwerpunkt in der Eisenverarbeitung lag im Ybbstal beim Zerrennen des minderwertigen Roheisens (Graglach, Hert oder Waschwerk) in den größeren Zerrennhammerwerken sowie an der Eisenproduktion in den vielen kleineren Schmieden. An der „Dreimärktestraße“ im Erlauftal (Gresten – Scheibbs – Purgstall) spezialisierte man sich hingegen auf den Handel mit Lebensmitteln aus dem nördlichen Mostviertel (rund um Wieselburg und Neumarkt/Ybbs).

Aufgrund einer kontinuierlichen Nutzung des Bergbaues im frühen Mittelalter – die erste Expansionsphase erfolgte im 12. Jahrhundert – war die Eisenwurzen um 1550 die wichtigste eisenproduzierende Landschaft Europas. Aufgrund mangelnder Ressourcen (Holz, Wasser und Nahrung) kam es zu einer Dezentralisierung der Arbeitsgänge, die sich grob gesehen in drei Teile gliedern lässt. Die Radmeister ergruben in den Radwerken weiterhin das Erz und erschmolzen das Eisen. Die bereits entfernter angesiedelten Hammermeister verarbeiteten den Rohstoff zu schmiedbarem Material. Die von den Städten und größeren Märkten aus agierenden Händlern traten als Zulieferer auf und übernahmen auch  den Vertrieb der fertigen Ware.

Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts hatte die Eisenerzeugung europäische Ausmaße angenommen und war zu einer der einträglichsten Einnahmequellen der Landesfürsten geworden. So kam es schließlich 1625 zur Gründung der ‚Innerberger Hauptgewerken‘ (Innerberg=Eisenerz), die als frühkapitalistischer Montankonzern 30 bis 40 Prozent der österreichischen Eisenproduktion unter ihrer Kontrolle hatten.

Durch den weitreichenden Handel, vor allem entlang der Donau nach Süddeutschland, Ungarn, in den Balkan aber auch bis nach Asien, kamen Wohlstand, Luxus und Glanz in die Eisenstraße. Noch heute prägen in der gesamten Eisenwurzen reich verzierte Bürgerhäuser, imposante Hammerherrenhäuser der sogenannten „Schwarzen Grafen“, noch bestehende Schmieden, Säge-, Schleif- und Getreidemühlen, ehemalige Proviantlagerstätten sowie historische Einzelschmiedearbeiten wie z.B.: Torgitter an die reiche Zeit von einst.

„Die napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts bewirkten durch ihre Kontinentalsperre eine Abschottung der Region, die dadurch von technischen Neuerungen und Kontakten zu möglichen Märkten in der Neuen Welt nicht mehr erreicht wurde. An der Eisenwurzen ist die technische Entwicklung somit Großteils vorüber gegangen ohne Spuren zu hinterlassen. Mit der modernen, hoch technisierten industriellen Produktion, dem schnelleren Transportmittel Eisenbahn und dem damit verbundenen, niedrigeren Preis konnten die klein strukturierten Schmieden nicht mehr konkurrieren. Dazu kam die mangelnde Infrastruktur in der Region. Produktionsstätten entlang der Hauptverkehrsverbindungen (z.B. die Donau) wurden immer mehr bevorzugt und die handwerklichen Kleineisenbetriebe in der Eisenwurzen kamen im Laufe des vorigen Jahrhunderts zum Erliegen (Zankl, 2007).

Was vor über achthundert Jahren am Erzberg begann, verleiht noch immer der Landschaft ihren besonderen Reiz. Die Reste alter Hämmer und Schleifen erinnern ebenso wie die Namen von Bächen oder Tälern an diese Zeit. Zum Beispiel in der „Schwarz Lucken“, dort, wo die Kleine Ybbs entspringt, waren die Köhler zu Hause. Entlang ihres Oberlaufes, der „Schwarzen Ois“, brachten die Proviant-Eisen-Händler ihre Fuhren zu den Schmieden. Die vielen heute noch verwendeten Bergnamen wie „Schmidberg“, „Eisenstein“, oder alte Bauernhofnamen wie „Schleifenhofstatt“, „Brandstatt“, „Kohlreith“, erinnern ebenso an die einst prägende Eisenindustrie samt deren Nebengewerbe.

Quellennachweis:

  • Fahrengruber, R. (2007). Entlang der Eisenstraße. Kultur, Natur und Industrie. Mit Nationalpark Kalkalpen, Klara-Höhle und Nationalpark Gesäuse. Steyr: Ennsthaler.
  • Falser, M. S. (2008). Die Österreichische Eisenstraße als UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe? Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie. Schriftenreihe des Nationalpark Kalkalpen Band 9. Linz: Fridrich VDV
  • Sonnleitner, B. (1999). Das andere Mostviertel. Land zwischen Sonntagberg und Ötscher. NP-Buchverlag, St. Pölten.
  • Sperl, G., Stögmüller H. & Tippelt, W. (1992) Kulturführer Österreichische Eisenstraße. Ein Kulturführer in Farbe. Steyr: Ennsthaler.

 


 Seite weiterempfehlen
 Seite drucken