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"TöpperPortal ist Tor in eine andere Welt"

Ansprechpartner: Sabine Griesmann


ARCHIV-ARTIKEL

Bei der Andreas-Töpper-Brücke in Neubruck (Scheibbs, St. Anton/Jeßnitz) folgt nach der Pflicht, dem Neubau der Brücke über die Jeßnitz im Frühling 2014, nun die Kür: Bis November 2014 wird ein innovatives „TöpperPortal“ entstehen, das die Betonbrücke zu einem „Tor in eine andere Welt“ verwandelt. Der junge Ybbsitzer Architekt Joseph Hofmarcher stellt das Bauwerk im Interview vor, das er gemeinsam mit regionalen Handwerkern und Betrieben in den nächsten Monaten umsetzen wird.

Was unterscheidet das TöpperPortal von einem "normalen" Brückengeländer? Und warum der Name Portal?

Joseph Hofmarcher: Das TöpperPortal ist "ein Tor zu einer anderen Welt", es ist eine Schleuse, ein Zwischenraum zwischen der Bundesstraße und dem neu adaptierten Fabriksareal. Ein normales Geländer ist sehr regelmäßig und transparent. Ich wollte hingegen die Gelegenheit nutzen architektonische Wandflächen zu modellieren und damit einen Körper, durch den man hindurch geht und fährt, zu schaffen.

Neubruck ist ein Areal, in dem Industriegeschichte geschrieben wurde. Hat man da als Gestalter auch eine gewisse Portion Ehrfurcht?

Joseph Hofmarcher: Natürlich! Der Genius Loci, also der Geist des Ortes hat mich schon immer fasziniert; schon als ich hier vor 10 Jahren Musikkonzerte besucht hatte. Die Töpper-Fabrik wurde ja um 1815 als Stahlwalzwerk errichtet, dahinter befindet sich das Biedermeier-Schloss. Dazwischen befinden sich neuere Hallen und der hohe Schlot aus dem 20. Jahrhundert, als hier Papier produziert wurde. All diese architektonischen Elemente lassen Geschichten ablesen, die durchaus Ehrfurcht auslösen. Neben der dynamischen Geschichte des Areals ist natürlich sehr wichtig, was in Zukunft hier stattfinden wird. Es wird versucht einen neuen, frischen, zeitgemäßen Geist hineinzubringen. Dem Areal wird wieder Leben eingehaucht.

Was sind die Hauptcharakteristika des TöpperPortals und welche Materialien verwenden Sie?

Joseph Hofmarcher: Die Gestaltungsaspekte sehe ich zweierlei. Einerseits trägt das TöpperPortal ein formales Motiv, andererseits gibt es eine Aussage über Material und Bearbeitungstechniken. Formal steht die Sinus-Wellesymbolisch für Harmonie aber auch für Dynamik. Mit dem Motiv beziehe ich mich auf das Wasser in der Jessnitz und auch im unweit sichtbaren Aquädukt der 2. Wiener Hochquellwasserleitung, auf unseren Wasserreichtum allgemein. Der ursprünglichen Stahlwalzung in der Fabrik entsprechend, war von vornherein klar, dass Stahlblech bearbeitet und innovativ eingebaut wird. Bearbeitungstechniken von innovativ zu traditionell, technologisch industriell (Laserschnitt) zu schmiedehandwerklich (Verbindungen) werden angewandt, um das wesentliche Potential der Eisenstraße Niederösterreich für Architekturgestaltung zu nutzen. Sehr wichtig ist mir die "Torsion" (= Verdrehung in der Längsachse) als Mischform zwischen Industrie und Handwerk, welche die Sinus-Welle 3-dimensional in jede einzelne Lamelle einschreibt, und das Fließen des Stahls in der Kaltverformung "feiert".

Wie erfolgte der Gestaltungsprozess und die Zusammenarbeit mit Kunst im Öffentlichen Raum?

Joseph Hofmarcher: Im Zuge des Projektes PanoramaGucker für die Eisenstraße Niederösterreich hatte ich erfahren, dass das Fabriksareal in Neubruck renoviert und neu adaptiert wird. Dabei hatte ich auch erfahren, dass die bereits fertig geplante Zufahrtsbrücke als Hauptzugang als Blickfang künstlerisch gestaltet werden sollte. Kurz vorgefühlt habe ich mich an ein Konzept und einen raschen Entwurf gesetzt und diesen mit den zuständigen Personen besprochen. Man war begeistert und sah die Möglichkeit mit der Kulturabteilung des Landes NÖ für Kunst im Öffentlichen Raum zusammen zu arbeiten. Bald darauf Kontaktaufnahme und Besuch im Landhaus mit Vorpräsentation des Entwurfs des TöpperPortals. Es erhielt guten Zuspruch, und nun besteht die Zusammenarbeit zwischen mir als Künstler, der NIG (Neubruck Immobilien GmbH) und Kunst im Öffentlichen Raum NÖ.

Wie sieht der Zeitplan für die Umsetzung des TöpperPortals aus und welche Firmen sind bei der Fertigung involviert?

Joseph Hofmarcher: Entwurfsphase war im August 2013. Am 2. Juni war offizieller Produktionsbeginn und im November 2014 wird das TöpperPortal fertig sein und bereit für die NÖ Landesausstellung. Zur Zeit werden die ersten 20 Lamellen lasergeschnitten, gekantet, tordiert und montiert, um dann wieder zurück ins Computer-Modell zu gehen um sich an eventuelle Herausforderungen anzupassen. Es sind durchwegs regionale Firmen beschäftigt. Die Firma Seisenbacher GmbH besorgt Material und Laserschnitt, Schlossermeister Franz Wahler ist für alle Herausforderungen in der Materialbearbeitung (Torsion,...) zuständig. Die Umsetzung der Verbindungsmittel wird noch mit Schmiedehandwerkern besprochen.

Welche anderen Projekte haben Sie bereits realisiert?

Joseph Hofmarcher: Regional in der Stahl-Objektarchitektur konnte ich bis jetzt ein Carport mit Lamellen als 2 1/2-dimensionales Relief realisieren, sowie die PanoramaGucker entlang dem Panoramahöhenweg Mostviertel. Der Universität für angewandte Kunst (wo ich mein Diplom gemacht habe) bin ich in meinem Schaffen noch verbunden mit Projekten in Ghana, West-Afrika. Zur Zeit bauen wir dort ein Bühnendach aus Bambus. Während des Studiums hatte ich in verschiedenen Büros in Wien gearbeitet und Projekte bearbeitet, jedoch wenig selbst gebaut.

Neubruck soll nicht zuletzt durch den CoWorkingSpace TöpperZwei ein Ort für junge kreative Menschen werden. Kannst du dir vorstellen, dass dieses Konzept aufgeht? Wenn ja, was macht diesen Standort attraktiv?

Joseph Hofmarcher: Das Konzept kann durchaus aufgehen, schließlich versucht es sich im zukunftsweisenden "sharing"-Prinzip, welches heutzutage in vielen Bereichen angewendet wird (Internet, Individualverkehr/Car2go, car-sharing, co-housing,...), und welches die dringend notwendige Komponente Zusammenarbeit/ Zusammenwirken/ Zusammenhelfen in unser Wirtschaftssystem einbauen kann. Das Areal liegt in einer reichen Region mit Rohstoffen, Wasser, Wirtschaft, Arbeit, Kultur,... Definitiv das historische Ambiente mit zeitgemäßen Gestaltungselementen, was zusammen Kulturbewusstsein darstellt. Die sehr nah gelegene Stadt Scheibbs ist ein Geheimtip für Kultur und (Jazz-)Musik!

Webseite von Joseph Hofmarcher Mag. arch.:
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://josephhofmarcher.blogspot.co.at

 


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