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Lunz am See

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Blasonierung: "Weißes Einhorn mit roter Zunge auf einem geteilten gelb-schwarzen Hintergrund."

Einwohner: 1.944 (2006)
Fläche: 101,44 km²
Seehöhe: 601
Bürgermeister: Martin Ploderer
Web: http://www.lunz.at
Telefon: +43 (0)7486 8081

Verbindung zur Eisenstraße: Die erste schriftliche Nennung von Lunz am See als „Livnze in montanis“ findet sich in den Reiserechnungen des Passauer Bischofs Wolfger von Erla (1203/04). Im Jahr 1392 wurde eine „Frauenkirche zu Lunz am See“ urkundlich erstmals erwähnt. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit erfolgte der Ausbau der Kirche in der heutigen spätgotischen Form. Um das Jahr 1500 ist die Lunz am Seeer Kirche mit ihrer „Madonna im Goldenen Sessel“ eine viel besuchte Gnadenstätte, am oberösterreichschen Pilgerweg nach Mariazell gelegen.

Dieser Pilgerweg kreuzte sich in Lunz am See mit einer Verkehrsverbindung, auf welcher Proviant in das Gebiet von Eisenerz transportiert wurde. Im Gegenzug gelangte Eisen zur Bearbeitung ins niederösterreichische Voralpengebiet. Als um 1560 die „Dreimärktestraße“ (Gresten, Purgstall, Scheibbs) über den Grubberg nach Lunz am See – und weiter über Mendling nach Innerberg ausgebaut wurde, verstärkte sich der Warenverkehr entlang dieser Route.

Gerade um diese Zeit wurde in Lunz am See ein repräsentativer Renaissancebau errichtet: das heutige Amonhaus. Über dem steingefassten Eingangstor ist zu lesen: „Erbaut unter dem Hammerherrn Martin Ofner 1551“. Imposant wirken die Fensterkörbe und der Sgraffitodekor an der Straßenseite. Unter der Familie Amon (1784-1876) erlangte dieses Gebäude eine weit über Lunz am See hinausweisende Bedeutung, für 1810 und 1820 sind Besuche von Kaiser Franz I. belegt. Seit 1914 beherbergt der Bau – damals schon nachweislich als „Amonhaus“ bezeichnet – ein Museum. Anlässlich der teilweisen Adaptierung als Gemeindeamt wurde in den frühen 1960er Jahren der Stalltrakt abgebrochen. Die erste Gemeinderats-Sitzung im Amonhaus fand am 28.Juni 1965 statt. Im gleichen Jahr eröffnete man das neu geordnete Museum im Erdgeschoß. Heute befindet sich im Erdgeschoß des Amonhauses neben dem Hammerherrenmuseum das Tourismusbüro, im 1. Stockwerk die Amtsräume der Marktgemeinde und im 2. Stockwerk ein Handarbeitsmuseum.

Ein weiteres viel beachtetes Lunz am Seeer „Eisenstraßen-Baudenkmal“ ist die „Heiligenbrücke“ (auch „Töpperbrücke“ oder „Schöne Brücke“ genannt). Sie überspannt rund 2 Kilometer südlich von Lunz am See im Ortsteil Kasten den Ybbsfluss. Zur Geschichte dieses Monuments: Der „Frühindustrielle“ Andreas Töpper (1786-1872) ließ 1855 eine Brücke als Zufahrt zu seinem Walzwerk erbauen und mit Figuren aus Mariazeller Eisenguss schmücken. Die Figuren stellten die Namenspatrone des Ehepaars Töpper dar (Hl. Andreas und Hl. Helena), den Hl. Florian, den Hl. Johannes Nepomuk, eine Madonna und ein hochragendes Kruzifix dar. Ein Hochwasser riss im Jahr 1861 diese Brücke mit sich. Nur die Statue des Hl. Johann Nepomuk wurde am Ufer gefunden. Rasch errichtete man eine neue „Heiligenbrücke“, die verloren gegangenen Figuren wurden ergänzt. Andreas Töpper hatte in den 1830er Jahren in Lunz am See Fuß gefasst. Damals schloss er mit der Herrschaft Gaming einen Abstockvertrag für ein Waldgebiet zwischen Dürrenstein und Lunz am Seeer See, um damit die Holzkohlenerzeugung für seine Betriebe zu sichern. Weiters erwarb er in diesem Jahrzehnt das „Kastengebäude“. Dieser Bau war von der Innerberger Hauptgewerkschaft als Lebensmittelspeicher errichtetet worden. Andreas Töpper ließ es zu einem Wohnhaus umgestalten. In der Nähe dieses Gebäudes stand das Töpper´sche Streckwalzwerk, welches später zu einer Holzstofffabrik umgebaut wurde. Ein von Töpper am rechten Ybbsufer errichtetes Puddlingwerk ging nie richtig in Betrieb. Erwähnenswert scheinen auch folgende Lunz am Seeer Gebäude, die einen historischen Bezug zur „Eisenstraße“ haben:

Ein Großzerrennhammer, der am Einfluss des Bodingbaches in die Ybbs stand und – ganz in der Nähe- der „Amonhammer“. Auch an der Ybbs, knapp nach der Einmündung des Seebaches, wurde ein Hammer betrieben, ein kleineres „Werkl“ befand sich neben der „Angermühle“. Als Werkzeugschmiede firmiert später ein Hammerwerk „am Weißenbach“. Das heutige Haus Haberfelnergasse 5 wird in älteren Dokumenten als „Büchsenmacherhaus“ bezeichnet,  und in „Kleinlunz“ betrieb man bis zur Versteigerung des Anwesens im Jahr 1884 eine Nagelschmiede. In alten Häuserverzeichnissen werden zwei „Mauthäuser“ genannt: das eine an der Stelle des heutigen Hauses „Weißenbach 5“, das andere  trägt heute die Hausnummer „Amonstraße 40“.

Nahezu zeitgleich mit dem Niedergang der Eisenindustrie erschloss sich Lunz am See – seit 1914 offiziell „Lunz am See“- einen neuen wirtschaftlichen „Hoffnungsmarkt“: den Tourismus. Begünstigt durch den Bahnbau erlebte die „Lunz am Seeer Sommerfrische“ bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs einen vorläufigen Höhepunkt. Auch in der Gegenwart kann der Ort bedeutende Stärken ausspielen: Lunz am See erweist sich als idealer Ausgangpunkt für Bergtouren. Im Jahr 2009 erschien eine Broschüre der „Bergsteigerdörfer“, darin wird Lunz am See als eines der zwei „Bergsteigerdörfer“ Niederösterreichs angeführt. Der Lunz am Seeer See – seit 1927 ein geschütztes Naturdenkmal – lädt zu Badevergnügen, Bootsfahrten und Fischfangerlebnissen ein. Im Jahr 2004 wurde die Lunz am Seeer Seebühne eröffnet. Sie bewährt sich seither als einzigartiger, multifunktionaler Veranstaltungsort. Dem neuen und zugleich alten Trend „Wandern“ tragen Lunz am Seeer Wander- und Themenwege Rechnung. In baulicher Verbindung mit dem Lunz am Seeer Bildungszentrum (Kindergarten, Schulen und Bibliothek) befindet sich eine Servicestelle des kulturellen Netzwerkes  „Dokumentation Eisenstraße“. Die Marktgemeinde ist Mitglied der "Eisenstraße Niederösterreich".

Von Dr. Herbert Krückel, Lunz am See

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