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Geschichte der Woche

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Schmied Weichelmeier

Themenbereich: Wirtschafts-/Sozialgeschichte

Kurzbeschreibung: Kriegszeit, Bremen

Vor 1939 wurde ich verletzt, weil ich von einer Leiter gefallen bin und mir das Knie „ausgedreht“ habe. Und als ich im Krankenhaus in Eisenerz lag, da gab es Illustrierte. Und beim Blättern in solch einer Illustrierten entdeckte ich einen Aufruf, dass sie in Deutschland in den Flugzeugwerken Schmiede, Schlosser und andere Fachkräfte suchen. Ich dachte mir, dass das gar nicht so schlecht wäre, dort Arbeit zu bekommen. Also hab ich hinausgeschrieben nach Bremen in eine große Werkstatt. Es dauerte lange, bis sie sich gemeldet haben. Damals waren bei uns lauter Baracken, in denen die ganzen Ausländer gearbeitet haben. Und in einer dieser Baracken war ich inzwischen mit meinem kaputten Fuß als Hilfskoch angestellt. Ich habe mir schon gedacht, sie haben mich vergessen. Aber auf einmal kam ein Brief mit den Fahrkarten nach Bremen und da stand drin, dass ich sofort anfangen könnte. Bei mir zu Hause hatte ich damals ein Mädchen und in das war ich sehr verliebt. Deswegen war es mir gar nicht so recht, da hinzufahren, wo ich doch nicht so schnell wieder nach Hause kommen würde und wir uns dann gar nicht mehr sehen konnten. Aber es musste dann eben aus sein. Als ich schon einige Zeit in Bremen war, hingen auf einmal überall Plakate auf denen stand „Kommt in den Staatsdienst, es werden euch dafür 4 Jahre angerechnet. Wir suchen ledige, junge Männer.“ Da ich sowieso am Schluss einrücken würde müssen, dachte ich mir, dass ich mich da eigentlich auch gleich melden könnte. Also bin ich zur Aufnahmsstelle und habe mich dort gemeldet. Sie haben mich auf Gesundheit überprüft und mir dann gesagt, dass ich desweiteren hören werde. Bald darauf erhielt ich einen Brief von der SS, denn ich hatte mich ja zur Polizei gemeldet und die war ja der SS angegliedert. Das war mir natürlich nicht so recht, dass ich da jetzt praktisch zur SS gehörte, denn man hat ja auch damals schon einiges von denen gehört. Also hab ich den Brief meinem Meister gezeigt. Der hat gesagt, ich würde schon nicht einberufen werden, schließlich wäre ich in einem kriegswichtigen Betrieb eingestellt. Doch ein Einberufungsbefehl kam und da konnte auch der Meister nichts mehr dagegen machen. Sofort musste ich einrücken. Direkt unterstellt waren wir dann der SS doch nicht, aber das war schon ein wenig angehaucht von ihnen. Dann hab ich die militärische Ausbildung erhalten. Zuerst war ich in Schneidemühl und danach wurde ich nach Suhl einberufen, denn dort war die Gendarmerieschule. Ein halbes Jahr war ich dort in Ausbildung. Dann ging es nach Polen zu Partisanenbekämpfung, das war scheußlich.

Eingesandt von Schmied Weichelmeier.


Geschichte anhören (MP3, 648 kB)

 


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