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Geschichte der Woche

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Lebensrettung

Themenbereich: Zeitgeschehen

Kurzbeschreibung: Gaming – Ein junges Paar, dass im tiefen Winter auf der Feldwieshütte übernachtete, konnte einem ver

„Ich werde eine Erzählung bringen über eine vermutliche Lebensrettung. Es war Anfang der 50er Jahre, ich bin mit meiner Frau nach Taschlbach zur Verwandtschaft. Damals hat man weder Motorrad noch Auto gehabt, man ist zu Fuß gegangen, man hat die Schi mitgenommen, es war eine schneereiche Zeit damals. Nachdem der Rückweg von Taschlbach nicht sehr lustig war auf der Straße, haben wir es oft über die Alm gemacht, über die Feldwiesalm. An dem Tag sind wir rauf gegangen nach Taschlbach, haben uns verabschiedet und haben gesagt wir gehen über die Feldwies nach Langau. Es war Nebel, leichter Schneefall, aber – wir waren noch jung – wir haben fest gespurt im Neuschnee, und haben auch beabsichtigt, dass wir auf der Feldwieshütte bleiben. In der Dämmerung nach Langau runter fahren, das wäre nicht gut, ich bin immer schon gerne auf einer Hütte gewesen – heute noch – das ist so romantisch, ist so ruhig, kein Telefon, kein Auto, nichts. Damals halt auch, haben wir die Feldwieshütte angesteuert meine Frau und ich. Ich habe eine gute Verbindung gehabt mit dem damaligen Halter, da war früher ein Eingang bei den Hütten, man hat keinen Schlüssel gebraucht, man hat nur wissen müssen wie man in die Hütte hinein kommt. Wir haben warm eingeheizt, Tee gekocht und geredet – wir sind ganz jung gewesen. Dann haben wir gesagt, jetzt legen wir uns nieder, dass wir morgen in der früh fit sind für die Abfahrt nach Langau. Um Mitternacht hören wir ein Klopfen, wir haben beide schon geschlafen. „Bumm, bumm“ es klopft was. Ich wecke meine Frau auf, sage: „Du, hörst du auch was?“. Sagt sie „Was?“. „Na pass auf!“. Es pumpert schon wieder. Sage ich: „na das gibt´s doch nicht“. Im Winter auf der Feldwies, wenn man das kennt, überall Schnee, Nebel, Schneefall. Also normalerweise sollte man ja nicht rauf gehen bei so was, aber wir waren ja beide ortskundig, kein Problem für uns, wenn wir uns da verrannt hätten. Es klopft wieder. Sage ich: „das gibt´s doch nicht, es kann doch nicht mitten in der Nacht ein Mensch da auf die Feldwies rauf kommen“. Ich habe kurz an den Cousin von meiner Frau gedacht, der hat uns öfter schon einen Streich gespielt, dass er bei der Nacht wohin gegangen ist. Das war einmal am Hochschwab, da hat er uns einen Streich gespielt, das war ganz furchtbar. Aber jedenfalls habe ich mir gedacht, das gibt es nicht. Jetzt habe ich dann bei einem kleinen Fenster – da hat man hinausschreien können, weil der Haupteingang war ja voll Schnee, nur beim Hintereingang hat man in die Hütte hinein können – ich schreie raus, „was ist den los?“. Sagt einer, „Helft´s mir, ich kann nicht mehr weiter!“. Sage ich, „ich komm schon“. Bin dann mit der Taschenlampe zur hinteren Türe, „komm rein“, habe ich gesagt. Es war ein Schitourist, er war total fertig, das habe ich ihm gleich angesehen. Wir haben ihm einen Tee gemacht, eine Jause gegeben, und dann hat er erzählt. Er hat gesagt, er ist vom Erlaufsee weg gegangen Richtung Ötscherschutzhaus, er hat gesagt: „Ich habe es ein wenig verschätzt mit der Zeit“. Er hat sich dann heroben verrannt, wie er auf die Brunnsteinalm gekommen ist, er ist dann stundenlang herum geirrt. Er hat gewusst, er weiß nicht mehr wohin, Nebel, Schneefall…Er hat gesagt: „ich habe mir gedacht, ich darf mich nicht niedersetzen, ich muss gehen, gehen, gehen. Selbstverständlich bin ich oft gestanden…“. Aber er hat gewusst, wenn er sich niedersetzt und einschläft, dann ist es aus, weil meistens stirbt der Mensch an Unterkühlung. Und da ist er herum geirrt und gegen Mitternacht, hat er gesagt, spürt er einen Rauch. Er denkt sich: „wenn ein Rauch ist, muss eine Hütte sein“. Jetzt ist er gegangen, mit der Nase….der Rauch ist immer stärker geworden. Ist eh klar, wir haben eingeheizt gehabt, es hat ja noch geraucht. Und so hat er auf die Feldwieshütte hingefunden. Es war natürlich alles finster, kein Licht, sagt er: „und auf einmal steht die Hütte vor mir!“. Jetzt hat er gleich mit dem Schistock angepumpert beim Fenster. Am nächsten Tag sind wir dann gemeinsam Richtung Ötscher gegangen, bis zum Bindlbach, dann habe ich ihm noch den Weg angesagt, wo er weiter gehen muss. Wir sind in die Langau runter gefahren. Ich muss sagen, ich habe mit dem Menschen dann keinen Kontakt mehr gehabt, leider habe ich mir die Adresse nicht aufgeschrieben. Aber ich schätze, wenn wir nicht auf der Feldwieshütte gewesen wären, der wäre da oben zugrunde gegangen. Der hätte die Nacht nicht durchgestanden.“

Eingesandt von Kurt Bachinger, Kienberg.


Geschichte anhören (MP3, 1,6 MB)

 


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