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Geschichte der Woche

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Kalkbrennen

Themenbereich: Wirtschafts-/Sozialgeschichte

Kurzbeschreibung: Opponitz, Wie ich als kleiner Bub das Kalkbrennen erlebt habe.

Opponitz, Das ist ja sicher nicht in jeder Gemeinde gemacht worden. Ich war noch ein kleiner Bub von 7 oder 8 Jahren. Das war so zwischen 1945 und 1950. Da hat mich meine Mutter an einem Abend mitgenommen zum Kalkbrennen. Das hatte schon Veranstaltungscharakter, weil es ja nicht alle Tage vorgekommen ist. Sie hat mich und meinen älteren Bruder zum Bauernhaus Opponitz mitgenommen. Dort war ein Kalkofen. Als wir hingekommen sind, waren da schon eine Menge Leute. Bald wurde es finster. Mich hat besonders das wunderbare Farbenspiel beeindruckt. Über dem Kalkofen war nämlich eine Haube aus Lehm. Man muss sich das so vorstellen wie bei einem Kohlenmeiler, bei dem auch so eine Kuppel drüber gebaut wird. In dem Lehm waren Löcher, die zugestopft worden sind und je nach dem, wieviel Luft das Feuer gebraucht hat, hat der, der das betreut hat, die Stopfen herausgezogen. Damit wurde geregelt, dass das Feuer nicht zu stark brennt. Der Nebeneffekt dieses Auf- und Zumachens war aber, dass sich - durch die Gase warscheinlich – der Lehm in ein Gelb, ein Orange oder ein Dunkles Rot verwandelt hat. Und das hat wunderschön geleuchtet vor dem finsteren Hintergrund. Oder an manchen Stellen, wo aufgemacht wurde, kam plötzlich eine grüne Flamme heraus. Oder wieder woanders eine blaue oder ganz ins dunkelrot. Es hat einige Tage gedauert, bis der Kalk gebrannt war. Vom Bauernhaus Opponitz in Richtung „Luckn“ hinein zum Försterhaus kann man heute noch die Reste von dem Brennofen sehen, eine Steinmauer, aber leider ist sie vom Einsturz bedroht, weil sie nicht geschützt ist. Ich weiß heute noch, wo der Ofen gestanden hat. Seine Platzierung war sehr günstig, weil daneben gleich der Lucknbach gleich daneben vorbeigelaufen ist, der vom Bauernboden oben immer die Kalksteine mitgebracht hat. Nur 20-30 Meter über die Straße konnten Kenner schon die Kalksteine aussortieren und in den Kalkmeiler bringen. Damit ein ganzer Meiler gut gebrannt hat, haben die Brenner 20 Festmeter Weichholz gebraucht. Wenn der Brennvorgang abgeschlossen war, hat es ungefähr 8 bis 10 Tage gebraucht, bis der Meiler wieder ausgekühlt war. Dann ist er abgeräumt worden und die Steine wurden herausgenommen und zum Bauernhof Opponitz gefahren. Dort ist der gebrannte Kalk gelöscht worden in einem großen Behälter, 3 Meter lang, 2 Meter breit. Der gebrannte Kalk ist mit Wasser überschüttet worden. Das hat furchtbar zu brodeln angefangen und auch dementsprechen Temperatur entwickelt. Denn die ausgebrannten Steine sind derart gierig nach Wasser gewesen, dass sie es richtig aufgesaugt haben. Und das hat den gebrannten Kalk noch zerkleinert. Die Männer, die da standen haben dann mit Schabern mit 3 Löchern vorne drin in dem Kalk geschabt, denn der musste immer in Bewegung sein. Und wenn die richtige Kalk-Wasser-Konsistenz erreicht war, dann wurde vorne beim Querbrett ein Schober aufgezogen worden und die Flüssigkeit ist in die Kalkgrube gleich daneben gelaufen und dann ist das Ganze von vorne losgegangen. So habe ich das Kalkbrennen als kleiner Bub erlebt.

Eingesandt von Karl Kölbl, Opponitz.


Geschichte anhören (MP3, 2,1 MB)

 


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