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Geschichte der Woche

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Schwester

Themenbereich: Zeitgeschehen

Kurzbeschreibung: Perwarth/Wang – Eine komplizierte Geburt im Jahr 1948/9, der lange Weg ins Spital mit Rössern und Sc

„Wir haben ja jetzt Weihnachten vor der Türe und den Jahreswechsel. Jetzt erinnere ich mich dran, wie das war 1948/49 zu Silvester. Wir waren am Reitlingberg oben, auf 630 m und haben nach Wang runter ca. eineinhalb Stunden Gehzeit gehabt. Wie meine Schwester geheiratet hat, mein Schwager der war bei einem Bauern in Ferschnitz, die haben jemand gebraucht der mit den Rössern fährt. Jetzt haben wir getauscht, er ist rein gekommen am Reitlingberg und ich bin raus gekommen nach Senftenegg, zum Brunnbauern und bin dort mit den Rössern gefahren. Ich war dort 16 Jahre alt. Meine Schwester hat dann ein Kind gekriegt, das möchte ich kurz erzählen, dass man sich das vorstellen kann, wie das war. Das war zu Silvester, sie war eh ein paar Mal beim Doktor zur Untersuchung, der hat gesagt, es wird eine komplizierte Geburt. Die Hebamme war in Steinakirchen draußen und wie es dann so weit war zu Silvester, haben sie raus müssen nach Steinakirchen zum Doktor und zur Hebamme. Was machen sie? Sie mich geholt mit den Rössern, ich bin rein gefahren von Senftenegg mit dem Zeiselschlitten nach Phyrafeld, von dort haben wir meine Schwester mit dem Schlitten, als Hochschwangere, die hat schon die Wehen gehabt, runter geführt ca. eine dreiviertel Stunde. Ich habe sie am Schlitten aufgeladen, da war ziemlich viel Schnee... Ich habe sie dann mit den Rössern nach Steinakirchen geführt, der Schwager mit dabei. Wir sind zu der Hebamme gegangen, die hat gesagt, nein, sie traut sich nicht drüber, dann haben wir den Doktor geholt, der hat gesagt, nein, wir müssen ins Spital, ins Krankenhaus. Das war am späten Nachmittag. Ich bin dann noch mit den Rössern, mit dem Schlitten nach Scheibbs gefahren ins Krankenhaus. Ich war dort 16 Jahre. Im Krankenhaus hat es eine Weile gedauert, sie musste da bleiben, Kaiserschnitt es geht nicht anders. Daheim beim Bauern, das war dann schon 10 Uhr auf d´Nacht, die haben eine mords Angst gehabt, ich mit 16 Jahren mit den Rössern alleine unterwegs von Scheibbs bis Senftenegg fahren. Es ist alles gut gegangen, ich bin heimgekommen, meine Schwester hat das Kind zur Welt gebracht mit einem Kaiserschnitt, aber das war noch nicht alles. Sie hat dann Venenentzündung gekriegt. Damals hat man ja noch 9 Tage liegen müssen nach der Geburt, aber sie hat Venenentzündung gekriegt und war zwei Monate im Krankenhaus mit dem Kind. Zum Heimbringen, es war noch im Februar, Anfang März, da hat sie mein Schwager dann geholt mit den Pferden. Er hat sich Rösser ausgeliehen, dann sind sie nach Perwarth gefahren und rauf auf den Reitlingberg. Und wie sie rauf fahren, die Straße, der Weg, das war verweht. Er hat durch die Wechten durch die Rösser vorne genommen und ist mit ihnen durch. Die Rösser haben sich geschreckt in der Wechte, sind durchgegangen und haben ihm zusammen getreten. Der Schlitten hat ja früher so Krallen drauf gehabt zum Bremsen, der ist ihm übers Gesicht drüber gefahren. Er war dann drei Tage bewusstlos. Gott sei Dank war das kurz vorm Nachbarn, die haben das dann gehört und sind gekommen. Die Schwester hat ja noch liegen müssen mit dem Kleinen, die war dann beim Nachbarn, die haben sie genommen. Der Schwager ist dann dort gelegen, sie haben den Arzt geholt, drei Tage war er bewusstlos. So war das dazumal mit der Geburt. Das kann man sich gar nicht vorstellen, dass es so was überhaupt gibt. Weil der Sterbetag von meiner Schwester jetzt auch kommt, die ist zwischen Weihnachten und Neujahr verstorben, da denke ich halt immer daran, was die mitgemacht hat und wie das halt war. Mir ist das erst zu Bewusstsein gekommen, ich habe meinen Sohn in die Berufschule nach Langenlois geführt, da war er auch 16, 17 Jahre. Und da haben wir die Buben so sitzen gesehen, da sage ich, „…Traut man so einem Buben das zu, dass er da alleine mit den Rössern so weit fahrt?“ Man ist ja komplett auf sich gestellt gewesen. Also das wollte ich kurz erzählen, dass man das hört, wie das früher war.“

Eingesandt von Karl Hirtl, Gresten.


Geschichte anhören (MP3, 1,9 MB)

 


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