Logo
  Eisenstraße
Niederösterreich

Neubruck 2/1
A-3283 Scheibbs
T +43 (0) 74 82 / 204 40
F +43 (0) 74 82 / 204 40-22
service@eisenstrasse.info
Eisenstraße Niederösterreich Schatzsuche & regionales Wissen Genuss & regionale Erlebnisse LEADER, regionale Produkte & Projekte
Suche

Geschichte der Woche

Ansprechpartner: Stefan Hackl


Moped mit Heizung

Themenbereich: Zeitgeschehen

Kurzbeschreibung: Wie das Moped hinter dem Nachbarn zu brennen anfing

Opponitz, Die Geschichte ist bald 40 Jahre her. Ich war ein Bub auf einem Bauernhof in Oberdübelreith. Dort bin ich mit dem Moped immer Sachen besorgen gefahren. Mein Vater war bei einem Arbeitsunfall in der Landwirtschaft verunglückt. Wir waren sechs Geschwister und ich bin der Älteste und für die Jüngeren fast der Vaterersatz gewesen. Und ich war der Einzige dort, der damals ein Fahrzeug fahren konnte. Ich habe ein Moped gehabt und mit dem Moped ist alles, was für die Landwirtschaft erforderlich war, vom Ort heimgefahren worden. Und auch der Nachbar aus Unterdübelreith – damals schon ein betagterer Mann, der ursprünglich von Michlberg stammte – hat jede Gelegenheit ausgenutzt, mich zu fragen, ob ich ihn ins Dorf mitnehme. Und als ich einmal um Benzin für den Motormäher und die Heuraupe, die wir zur Heuernte gebraucht haben, gefahren bin, da hab ich den Plastikkanister auf den Gepäckträger gebunden und wir sind gefahren. Ich um das Benzin und er um ein paar Einkäufe zu erledigen. Ich bin also zum Karl Koelbl auf die Tankstelle gefahren und habe dort 10 Liter Benzin getankt. Anschließend sind wir dann noch zum Bruckwirt auf die nächste „Tankstelle“ und sind dort eingekehrt. Dann sind wir heimgefahren. Die Forst- und Güterwege vor 40 Jahren warn noch nicht so wie heute, flach und asphaltiert. Damals waren das steile Wege, auf denen man schon allein auf einem Moped Probleme gehabt hat. Und zu zweit war das fast schon ein wenig... Jedenfalls bin ich mit ihm dann heimgefahren und als wir gerade so eine steile Passage gefahren sind, da hat er zu mir gesagt – ich erinnere mich noch an seine Stimme, die war so ein bisschen abgehackt – „Korl, bleib steh, mia wiad woam!“ Ich hab ihm gesagt, er soll doch den Fuß vom Auspuff runtertun, weil er das schon einige Male bei den anderen Fahrten war, dass er den Fuß am Auspuff hatte und als wir daheim waren, ist seine Fußsohle am Auspuff festgehangen. Also sind wir weitergefahren und er ist langsam schon unruhig geworden. Ich hab fast nicht mehr lenken können, weil er so unruhig war hinter mir. Auf einmal sagt er: „Korl, bleib steh, im Oasch wiads woam!“ Ich bin also stehen geblieben und er steigt ab vom Moped, schon etwas steif, weil er ja schon ein bisschen älter war. Da sehe ich auf einmal hinten am Moped eine zimmerhohe Flamme. 10 Liter Benzin haben gebrannt hinten am Gepäckträger. Durch die Überhitzung von dem Moped, weil wir ja zu zweit raufgefahren sind, muss wohl Benzin vom Kanister hinuntergetropft sein und hat sich dann entzündet. Gottseidank hat es ihn dann gleich vom Moped geschmissen und auf den Rücken, weil sein Rock war schon abgebrannt bis zum Dragoner herauf und aus der Sitzbank haben schon die Federn herausgeschaut. Ich hab das Moped sofort fallen gelassen. Der Gang war noch drin, der Motor war auch noch an. Da lag das Moped und das Feuer hat sich mit dem Hinterrad so gedreht. Das Benzin ist ausgelaufen bis zur nächsten „Auskehrn“, das warn damals Wasserrinnen aus Holz über die Wege. Die Auskehrn hat dann auch gleich gebrannt. Mein Nachbar ist da so gestanden und hat zugeschaut und ich hab zu ihm gesagt: „Du, lauf besser davon, ich hab schon mal gehört, dass es einem Moped den Tank zerrissen hat. Er ist also davongelaufen und wir haben so geschaut, aber es hat sich nichts getan. Und wir haben halt Mut gehabt und sind zum Moped hingegangen, um es zu löschen. Nebenbei ist ein Busch gestanden, da haben wir ein paar Äste abgepflückt und sie draufgelegt, aber wir haben nur nachgeheizt, gelöscht haben wir nichts. Zwei Straßenarbeiter haben das Feuer da oben auf dem Güterweg gesehen und sind uns dann zu Hilfe gekommen und dann haben wir den Brand gelöscht. Das Moped war dann ausgebrannt und unbrauchbar. Beim Bruckwirt, unserer zweiten Tankstelle, hat es dann am Sonntag beim Frühschoppen immer die lustigen Geschichten gegeben vom Moped, wie es gebrannt hat. Da hat es die verschiedensten Varianten gegeben, jeden Sonntag eine andere. Böse Zungen haben sogar behauptet, dass der Schwiegersohn des Nachbarn mich angestiftet hat, ihn anzuzünden. Gottseidank hat das alles ein glückliches Ende genommen. Der Bruckwirt hat dem Nachbarn dann eingeredet, dass er schuld daran wäre, weil das Moped so schwer nicht den steilen Weg hinauffahren hat können, deshalb hat der mich dann auch finanziell unterstützt und er hat ja auch profitiert von dieser Wärme.

Eingesandt von Karl Kaefer-Schlager, Opponitz.


Geschichte anhören (MP3, 2 MB)

 


 Seite weiterempfehlen
 Seite drucken