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Geschichte der Woche

Ansprechpartner: Stefan Hackl

Wagner Kefer

Themenbereich: Zeitgeschehen

Kurzbeschreibung: Opponitz, Der vielseitig begabte August Kefer war ein erfolgreicher Wagner und half auch sonst viel

Opponitz, „Es geht um die Fischer Point. Wir haben ja alle, zumindest wir älteren, den Kefer gekannt. Es sind ja nun schon drei Gustln in einer Folge, aber ich spreche vom Großvater. Das war der erste Schifabrikant in Opponitz. Sie haben die Eschenbretter gebogen, und er hat auch ein paar Gehilfen gehabt. Das war ein ganz schöner Betrieb. Und sie haben auch kunstvolle Leiterwägen, Schlitten und alles gemacht. Und es gab damals so eine Harmonie zwischen Wagner und Schmied. Das waren ja Nachbarn, und wenn der nun einen Leiterwagen gemacht hat, ist das dann vorher schon mit dem Schmied ausgemacht worden. Der Leiterwagen ist dann zum Pittnick gebracht worden, der ihn dann kunstvoll beschlagen hat. Und wir sind stolz gewesen auf alles was dort gemacht worden ist und gebraucht wurde. Also, die Rechen hat der Schilcher Karl gemacht, aber alles andere, was man so gebraucht hat, haben der Wagner und der Schmied für uns gemacht. Das war in diesen Zeiten so und man hat damit gearbeitet und man war auch damit zufrieden. Und da war noch etwas: der Wagner, der Kefer August senior, senior, das war ein Mann, den man überall gebraucht hat. Wenn irgendwo eine Kuh zum Abkalben war, dann hat der Wagner hermüssen. Das hat funktioniert. Wenn irgendwo jemand krank war oder Bauchweh hatte, dann ist man auch zum Wagner gegangen, denn er hat immer einen Rat gewusst. Wenn im Dorf irgendwo eine Eisenbahnerkuh marode war oder die Kitzeln nicht bekommen hat können – eine Eisenbahnerkuh ist eine Ziege – dann hat man den Wagner gebraucht. Und der hat alles können und gemacht. Beim Kälberziehen beim Loferer – der Bauer hat Michael geheißen – hat es halt auch einmal nicht funktioniert. Ein Kalb war schon da und dann wusste man nicht, ist noch ein Kalb drinnen oder ist keines mehr drinnen? „Na ja, schauen wir halt nach!“ und der Kefer, der Wagnermeister, zieht das Hemd aus und fährt in die Kuh hinein. „Michl, nichts gut, noch ein Kalb!“, hat er gesagt. So haben sie halt ihre Gaudi gehabt. Es war keine Gaudi, aber man hat Leute gebraucht, die sich ausgekannt haben, und man hat zu den Leuten auch Vertrauen gehabt und es hat auch funktioniert, es ist immer gutgegangen. Und sie sind auch auf die Stör gegangen. Also, die Schmiede weniger aber die Wagner sind ganz früher ja auch auf die Stör gegangen, besonders vor dem Ersten Weltkrieg und auch noch danach. Und da hat es bei den Bundesforsten, wo die Zitzenbacher zu Hause waren, die den Betrieb in Pacht gehabt haben, eine große Landwirtschaft gegeben, das war Atschreith. Da waren so sechs bis acht Bauernhöfe. Überall war Vieh, die haben so an die 200 Stück Vieh gehabt und die waren folgendermaßen aufgeteilt: die Kühe waren im Atschreith und das Jungvieh und die Ochsen waren aufgeteilt in den Betrieben. Und beim Atzbauern, wie das heißt, haben sie im Frühjahr oder zu irgendeiner Jahreszeit auch ihre Wägen herrichten lassen. Vielleicht auch schon im Herbst, wenn es halt notwendig war. Die sind ja sehr vorausschauend gewesen. Beim Rotschild haben sie ja Geld genug gehabt, und die haben auch im Herbst noch, wenn die ganze Ernte vorbei war, ihr ganzes Zeug herrichten lassen. Und da war der Wagner, der Kefer-Papa, draußen und hat da ein paar Tage gearbeitet auf der Stör und hat alles picko-bello hergerichtet was die Wagnerei anbelangt hat. Und dann haben sie halt ein bisschen gefeiert, er und der Weißenhofer Naz, der Moa oder der Wirtschafter, wie man eine derartige Person heute auch nennt. Und was tun wir nun zum guten Abschluss? Dort draußen hat es immer sehr viel Obst gegeben. Daraus wurde Most gemacht, und die haben den besten Most in der gesamten Umgebung gehabt. Dann meinten sie: „Kosten wir den Most. Wir haben 10 Fässer Most hier.“ Das kleinere Fass fasst fünf Eimer, 10 Eimer, 15 Eimer und das größere Fass hinten ist ein 20 Eimer-Fass. Da kann man sich ausrechnen, das waren rund 1.120 Liter. Jetzt haben sie angefangen zum Mostheben. Ein Mostheber ist ein zweimal so groß wie ein Glas, und da ist ein Röhrchen hinunter und da zieht man an und das Glas wird voll heroben. Nur muss man nachher schön gerade herausfahren mit dem Heber, weil das ist ein Glasröhrchen da hinunter. Das ist bei den kleinen Fässern gut gegangen, aber bei dem großen ist es dann zu einem Problem geworden. Sie haben den Heber zwar hineingebracht, aber beim Herausheben hat er ihn nicht gut erreichen können und er ist abgebrochen und der Most war draußen. Und jetzt ist ihnen Wind und Weh gewesen: „Was tun wir? Das ist das größere Fass und den müssen wir doch kosten.“ Sagt der Kefermeister: „Du Naz, ich wissen was machen. Du machst einen kleinen Stöpsel, und ich hab einen kleinen Bohrer mit in meinem Werkzeugkasten. Ich mach da ein Loch hinein und einen Krug haben wir auch da. Ich bohr das Fass ein bisschen unterhalb der Mitte an, sodass der Most schön anzieht heraus. Und dann können wir diesen Most auch kosten.“ Gesagt - getan. Der eine hat ein Loch gebohrt, der andere hat den Stöpsel gemacht, den Most herausgelassen und die Sache war gelaufen und gerettet. Der Kefer-Papa hat öfters erzählt, dass das so eine Gaudi war.“

Eingesandt von Franz Teufel, Opponitz.


Geschichte anhören (MP3, 1,9 MB)

 


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